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Libyen 2020:
ein vom Westen 2011 zerschossenes Staatsgebilde, also ein kriegerisches
Produkt des Imperialismus mit den absehbaren Folgewirkungen seit fast
10 Jahre andauernder  Bürgerkriegszustände weckt 2020 absonderlichen
Betreuungsbedarf durch denselben



Eine Libyen-Konferenz unter Beteiligung von u.a. Russland, Türkei, Frankreich, BRD, US-Außenminister P. soll "militärischen Konflikt" beenden und "politischer Prozess zum Frieden eröffnet werden".
Dt. Außenminister Maas: alle ('Konfliktparteien') hätten erkannt, dass es keine militärische Lösung gäbe. Alle müssten eigentlich ein Interesse am Ende des Krieges haben.

Seit fast 10 Jahren wütet als Folge der Zerstörung des einstigen Gaddafi-Staates ein militärisches Kräftemessen um die Hoheit über das ruinierte Land, allen Waffenembargos zum Trotz befeuert von allerlei Mächten (westlicher Staaten, Russland, aber auch solchen aus der Weltgegend wie Saudi-Arabien, Ägypten, Arabische Emirate - auf verschiedenen Seiten der Bürgerkriegsbeteiligten befindlich), von denen sich einige mal wieder als Friedensengel in Bezug auf von ihnen mit hergestelltes Dauerkriegsszenario aufspielen.

Vor lauter Schwelgerei in von außen an den libyschen failed state herangetragenen höheren, nämlich genuin imperialistischen Gesichtspunkten, dass Merkel sich wiederzurückmelde auf weltpolitischer Bühne ( als ob die je wirklich abgemeldet war - war da nicht kürzlich was zu der als Nachfolgerin aufgebaute A.K.K., den machtpolitischen Eigensinnigkeiten der Türkei in Syrien in die Parade zu fahren, wie wenig erfolgversprechend auch immer?), Europa "mehr Gesicht zeigen" müsse (EU-Außenbeauftragter) sind folgende Absurditäten weniger Thema: das Predigen von Frieden hat erst mal zum Ausgangspunkt, dass diejenigen, die sich als Friedensbringer aufspielen, in Gestalt der EU-Größen Frankreich und England und anderer den Gaddafi-Staat gründlich zertrümmert haben und so mit dafür gesorgt haben, dass Restbestände des zerfallenen Staates um die Hinterlassenschaften desselben gegeneinander kriegerisch, in einer Dauerfehde von schon seit Jahren, angetreten sind. Natürlich: der Störenfried in bezug auf die westlichen Ordnungsinteressen damals wurde aus dem Weg geräumt; mit dem militärischen Gerangel der Parteien vor Ort nach eigenen Berechnungen konnten die Westler offenbar leben, haben sich sogar die Dienste von Milizen zur Flüchtlingsabwehr mit deren rabiaten Einsperrung der Massen von 3.-Welt-Elendsgestalten in höllischen Lagern('KZ-ähnliche Lager' nach ZDF-Sendung Frontal 21 v. 21.1.20) zunutze gemacht und dafür mit Gerät ausgerüstet.

Was auch immer die westlichen Weltmächte mit der von ihnen mit zu verantwortenden Lage in Libyen unzufrieden gestimmt hat: den Kriegsparteien dort einflößen zu wollen, sie könnten keine militärische Lösung wollen, trägt an die sein eigenes Aufsichtsinteresse heran, was die sich nötigenfalls per Diktat zu eigen zu machen hätten: denn die legen wider den Aufsichtsansprüchen des Westens gerade Zeugnis davon ab, dass die nichts als kriegerische Durchsetzung gegen die feindliche Fraktion im Programm haben. Der Absehung von den Eigeninteressen der Bürgerkriegsbeteiligten folgt deshalb auch schnurstracks auf dem Fuße, dass viel Aufgebot an Gewaltmaschinerie unter Schirmherrschaft der UNO, der EU etc. gegen diejenigen für nötig befunden wird, denen man unterschiebt, dass Krieg 'keine Lösung' sei: das Absurde, Waffenstillstand den Parteien abzuringen unter Fortwirkung der Gründe ihrer Feindseligkeiten und diesen dann mit UN-Mandat überwachen, wo dann wegen weiterbestehender Anfeindungen "Verletzungen" der Waffenruhe immerwährend zu ahnden wären.


Nachtrag

Was u.a. in der kritischen Öffentlichkeit herumgeistert, es ginge letztlich mal wieder um "massive ökonomische Interessen"*)  stimmt so nicht.

Die Friedenstifter sind viel prinzipieller als wegen wirtschaftlicher Interessen unterwegs – zumal das Öl während fast 10 Jahren vom Westen mit der kriegerischen Zerstörung des Gaddafi-Staates angefachten Bürgerkrieges und erst recht unter letzterem mehr oder weniger zuverlässig geflossen ist.

Es ist doch auffallend, dass unter Punkt 4 des Abschlusspapiers der Libyenkonferenz v.a. von den West-Staaten nicht bestellte Weiterungen des Staatsruins aufgezählt werden wie,  dass der Ausbreitung von „Terrorismus“ der Nährboden bereitet worden sei und „destabilisierende Zunahme illegaler Migration in der Region“ moniert wird.

Was man früher mal als Imperialismus zu kennzeichnen pflegte, macht sich so geltend, dass über die Kriegsparteien vor Ort hinweg, von Mächten außerhalb diese darauf festgelegt werden sollen,  sich als Erfüllunggehilfe dafür herzugeben, unerwünschte "Kollateralschäden" der vom Westen veranlassten kriegerischen Ruinierung des Landes den maßgeblichen Mächten fern zu halten.

Unter dieser imperialistischen Zielsetzung dürfte alles subsumiert sein, was sich wie Aufbaupläne für ein handlicheres Staatsgebilde liest und den gegnerischen Parteien aufgeherrscht wird -

„42.    Wir regen die Schaffung eines Wiederaufbaumechanismus für Libyen an, der die Entwicklung und den Wiederaufbau in allen Regionen unter der Federführung einer neuen, repräsentativen und geeinten Regierung fördert, die ihre Befugnisse im gesamten Hoheitsgebiet Libyens ausübt,...“


– wo dann als Unterpunkt auch die Ölfrage auftaucht, gar nicht in dem Sinne, dass die Rohstoffquelle Libyen irgendwie auf dem Spiel stünde und deswegen westlicher Interventionsbedarf bestünde, was die öffentlichen Kritiker darüber bezeugen, dass problemlos trotz des andauernden militärischen Gemetzels 90% der Öleinnahmen aus dem Verkauf aus Europa stammen würden - sondern unter dem Gesichtspunkt des „unrechtmäßigen“, seitens so definierter "terroristischer" Störenfriede, statt des einzig berechtigten imperialistischen Zugriffs darauf: 

„39...Wir stellen uns jedem Versuch entgegen, Libyens Erdölinfrastruktur zu beschädigen, genauso wie der unrechtmäßigen Ausbeutung der dem libyschen Volk gehörenden Energieressourcen durch Verkauf oder Erwerb libyschen Rohöls oder von Erdölprodukten außerhalb der Kontrolle der NOC. Wir fordern die transparente und gerechte Aufteilung der Erdöleinkünfte...“



Zum Libyen-Krieg 2011 siehe den älteren Artikel im pdf-Format: Krieg gegen Libyen - 2011

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*)https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/libyen-112~_showConfirm-true.jsp#commentSentMessage



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