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Weltbeobachtung auf Grundlage unabweisbar haltender weltpolitischer Realitaeten
- Islamexperte M. Lueders im Interview auf NDR Info am 14.10.19/16-17 Uhr


Die Rolle des weltpolitischen Beobachters einnehmen, die Weltlage vom Standpunkt möglicher, fiktiver,
realitätsnäherer Kalkulationen involvierter Staaten beurteilen, ist das Gegenteil von Kritik derselben.

Lüders liegt daneben, wenn es heißt, dass das, was die Türken als Gelegenheit tatkräftiger, militärischer
Einmischung in Syrien ergriffen haben, den Rückzug der Amis von dort, habe zu tun mit einer "Fehlein-
schätzung" der letzteren, Assad nicht ein für allemal weghauen zu können: als ob es einer hochgerüsteten
Supermacht abginge, den Syrien-Führer endgültig fertig zumachen, wenn sie gewollt hätten, was eben
nicht der Fall war. Lüders vermeidet zwar die Bekennung dazu, ob die von den Großmächten erwogene
Beseitigung des syrischen Regimes in Ordnung ginge. Einen argumentativen Einwand vermisst man aller-
dings. Auch für solche Experten sind die imperialistischen Affären offenbar unhintergehbare Tatbestände,
entlang derer man, eben in der weltpolitischen oder gar imperialistischen Logik verbleibend, unterschiedliche,
mehr oder weniger 'wirkmächtige' Berechnungen dranheften kann - statt eines Einspruchs dagegen.


Lüders zu den Türken: die marschieren nicht ein, um hinterher mit den Russen in Nordsyrien eine Verein-
barung über "entmilitarisierte Zone"  zu machen, also sich den Trumpf aus der Hand nehmen zu lassen,
ihre einsinnigen Kalkulationen anzustellen und durchzusetzen wie die Vernichtung und nicht bloß die "Ent-
waffnung" eines kurdischen Feindes, überhaupt die Einflusspotenzen in Nahost auszubauen und nicht
zuletzt die Last mit den Flüchtlingsmassen loszuwerden durch Verfrachtung derselben in ihre "Sicher-
heitszone", deren Vermehrung der Obertürke mit seinem Feldzug gerade zuarbeitet.

Andererseits: Das Durchspielen strategischer Optionen nimmt zu den "Konfliktherden" den Gestus einer
Sorte passiven Imperialismus ein:wie hier Machtansprüche beteiligter Nationen gegeneinanderstehen,inwie-
weit es die Russen zu einem Deal mit den Türken bringen, sofern denen das Durchsetzungspotential
von Putin einleuchtet oder es mit ihm nicht 'verscherzen' wollen, wo die Beziehungen Russland-Türkei
auf gutem Weg waren/sind wegen rüstungspolitischer Querelen mit den Amis, der Polit-Experte bespricht
imperialistische Angelegenheiten wie natürlichen Weltenlauf-wo dann mit der Ausmalung politischer Händel die
imperialistischen Zynismen in Ordnung gehen: z.B. wie die russischen Schützlinge von Syrien nicht erst
mit dem Türkeneinmarsch das kriegsbedingt dezimierte Land
durch das ami-unterstützte Rebellentum
gegen Assad
ähnlich, wenn auch mit andersgelagerter Stoßrichtung, dem Oberimperialisten aus dem
Weißen Haus zum Material ihrer Interesses machen, nämlich den USA zu demonstrieren, dass sie als
weltpolitischer Mitspieler nicht zu übergehen seien - welches Ansinnen sich inzwischen darüber relativiert,
dass der Gegenspieler die weltpolitische Relevanz der Gegend da unter für sich heruntergestuft hat
und für die Russen die Kosten einiges hochgetrieben hat, sich da unten Geltung zu verschaffen.
Um in den strategischen Spielereien des Lüders zu verbleiben: Aufteilung von Zuständigkeiten in Nordsyrien
in Form von irgendwelchen Einflusszonen stellt die ohnehin praktisch relativierte Souveränität Assads im
Interesse eines Abgleichs machtpolitischer Erwägungen von Türken und Russen in Bezug auf diesen Landstrich
und darüber hinaus weiter zur Disposition.
Mit derartigen Planspielen hält man der Türkei gegenüber betreffend die Einräumung eines Einflussbereichs
den Herrschafts-/Vorherrschaftsanspruchs in Bezug auf den Nahen Osten jedenfalls ein Stück für
konzedierungsfähig
und damit die Sanktionierung der Abspenstigmachung syrischer Hoheit für in Ordnung.
Also von gescheiter Kritik an den imperialistischen Machenschaften kleinerer und größerer Mächte keine Spur.


Zusatz: Lüders im Interview beim Deutschlandfunk, Polit-Mittagssendung v. 16.1019/12-14 Uhr

Die Stellung aus der Sicht des teilnehmenden Beobachters bis hin zur offenen Parteinahme für das
imperialistische Geschäft bestätigt sich hier:




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