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DGB und 1. Mai 2017/Zeitschrift "Einblick",Nr. 5-2017:


Wie ein Feiertag der Arbeit zur Weltzustaendigkeit
und Sorge um "menschenwuerdiges" Arbeiten sei-
tens deutscher Gewerkschaften verkommt

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Ist ein Feiertag der Arbeit alle Jahre wieder am 1. Mai schon ein Widerspruch
in sich, naemlich als Festlichkeit zu veranstalten, wo man sich als Gewerk-
schaft Rechenschaft abgibt ueber den Stand der sozialen Auseinanderset-
zung zwischen Lohnarbeit und Kapital, also ueber die Haerten fuer die Klasse
der Lohnarbeitenden darin, machen deutsche Gewerkschaften gleich die gan-
ze Weltlage wie aus dem Blickwinkel eines staatspolitisch Zustaendigen
zu einem ihrer heutigen Betaetigungsfelder:


"... der Brexit, die Wahl Trumps, Erfolge rechtspopulistischer Parteien und Terroranschlaege
... In dieser Situation machen der DGB ... deutlich: Die Gewerkschaftsbewegung ... steht 
fuer soziale Gerechtigkeit und eine weltoffene, solidarische Gesellschaft ein."

Ist Brexit, Trump etc. schon sehr weit weg von dem, was Lohnarbeiter wegen
ihrer Plackerei fuer Staat und Kapital umtreiben koennte oder sollte, kennt der
DGB als billige Stellungnahme zu ungemuetlichen allgemein-politischen Begleit-
umstaenden europaeischen oder gleich weltweiten Politikgetriebes, ohne sich
eben laenger mit deren Beschaffenheit auseinanderzusetzen, die schiere Ent-
gegenhaltung von lauter Werten wie Gerechtigkeit und Weltoffenheit, deren
Vermissung das Auseinanderfallen von Europa an einer Stelle (Great Britain
versus EU) und den Aufruhr eines Trump mit seinem "America first" in Absetzung
von den bisherigen Gepflogenheiten  zwischenstaatlicher Funktionalisierung

auf den Begriff bringen soll.

Soweit der DGB auf Lohnarbeit ueberhaupt noch zu sprechen kommt, ist er
sowieso jeden Anklangs an Klassenkampftoene enthoben: die sich auch heut-
zutage in neuen Formen kumulierenden Ungemache des Arbeitens oder Nicht-
arbeitens im deutschen Kapitalismus begutachtet er so, inwieweit sie in ge-
werkschaftsmoralischen Kategorien "wuerdevollen" Arbeitens und Lebens hinein-
passen, wo das prinzipielle Einverstaendnis mit dem Lohnarbeitssystem die
Feder fuehrt und saemtliche erfahrene Unbill im Arbeitsleben oder ausserhalb
davon als Material gewerkschaftlicher Einmischung unter dem einzigen Gesichts-
punkt interessiert: Korrekturen im Verein mit Kapital und Staat erwirken - und
angesichts dessen, dass mit staatlicher Unterstuetzung den Lieblingsgbuergern
der Nation allerlei Freiheiten der Niedrigentlohnung und 'Flexibilisierung' der Ar-
beiterbenutzung offenstehen, schnurstracks das Nationalistische im Gewerkschaf-
ter abrufen und den Kampf gegen Niedriglohn, Arbeit auf Abruf, das Unwesen
befristeter Arbeit, ueberhaupt die Entgrenzung irgendwie noch vorhandener Fes-
tigkeiten in Arbeitsverhaeltnissen auf breiter Front unter dem Stichwort 'Digitali-
sierung' zur Frage "handlungsfaehigen Staates" und dessen Staerkung machen.
Solche engagierten Liebhaber der Demokratie und Menschenwuerde 
- "Gewerkschaften engagieren sich jeden Tag (dafuer)..." -
braucht offenbar die Arbeiterklasse heutzutage: dem stetig härteren Los der lohn-
arbeitenden Menschheit mit gewerkschaftlichem Rat und Tat zur Seite stehen
in Kooperation mit der hoechsten nationalen Gewalt, die die materiellen An-
griffe auf das Arbeiterleben mit Recht und Gesetz beguenstigt, unter dem 1.
und wichtigsten Gesichtspunkt moderner Arbeiter- und Angestelltenvertretung:
das Arbeiterdasein in heimischer Symbiose mit dem nationalen Kapitalismus und
seinem hoheitlichen Betreuer und Nutznießer.









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