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Gesundheitsreform
- Aktuelles  8                                        

 Stand: Juni/Juli 2008, Aug. 2014



Ideologien zur Gesundheitsreform
     
                                  
Die Nachfragemacht der Krankenkassen - Dichtung und Wahrheit

- Einleitendes -
S e l b s t k r i t i s ch e s  zur Nachfragemacht der Kassen
Um Missverstaendliches zur Nachfragemacht der Kassen vorweg auszuraeumen, sei der
Hinweis gemacht, dass es sich hier nicht eindeutig verhaelt. Es gibt einerseits das
Phaenomen, dass die Pharmawirtschaft auf ihren Abgabepreisen besteht und die Kran-
kenkassen bei geg. oder sogar abgesenkten Festpreisen mit erstmaligen Zuzahlungen
oder sogar Sonderzuzahlungen dies den Patienten so zu deren Nachteil weitergeben.
Andererseits hat es bei den sog. Rabattvertraegen zwischen Kassen und Pharmawirt-
schaft den Anschein, als wuerden die ersteren der letzteren Preisabschlaege abringen.
Wie dem auch sei: ihre Geschaeftskalkuel suchen die Konzerne allemal durchzuset-
zen, bei sinkenden Abnahmepreisen ueber die garantierte Abnahmemenge insgesamt
ihren Schnitt zu machen, den Gewinn betreffend.


Im Zuge des forcierten Kostenmanagement unter den neueren Gesundheitsreformen ging die Vorstellung von der Nachfragemacht der Kassen als Kostensenkungsmitttel um: das, was sie ueber Festpreise den Anbietern allenfalls erstatten, sollte denen als Preisdiktat via oekonomischem Erpressunbgshebel, ueber ein quasi Nachfragemonopol der Kassen, einleuchten. An anderer Stelle wurde diese oekonomische Fabel schon mal aufs Korn genommen:

"... was die Erlaubnis zu Preisverhandlungen betrifft, kommt es sehr drauf an, was die Kassen an Verhandlungsmacht gegenüber der Pharmaindustrie in die Waagschale werfen können. Deren relatives ökonomisches Monopol steht nämlich eher dagegen: gerade das massenhafte Angewiesensein auf Medikamente/Therapien/med. Geräten erklärt gerade deren bequeme Position des wirtschaftlichen Diktierens gegenüber den Nachfragern nach Gesundheitsleistungen-weshalb ein Staat sich einschaltet und deren Preispolitik politisch reguliert mittels Festpreise, Höchstpreise etc.    (s. Gesundheitsreform - Aktuelles 2)


* * *
Ergänzung 1:

Die preispolitische Regulierung auf dem Medikamentenmarkt hat neben der Begrenzung der Gewinnmargen die Besonderheit an sich, angesichts der langen und aufwendigen Entwicklung im Pharmabereich hier ebenso eine gewisse Kalkulationssicherheit zu bieten. Dies als Selbstkritik an den o.g. früheren, etwas kurz gegriffenen Ausführungen!
* * *

Die Kassen haben zugleich lanciert, ihr großartiges Druckmittel als Nachfragermonopol an die Kunden weiterzureichen in Form von Senkungen oder Begrenzungen der Zuzahlungen bei Arzneien. Nun werden wir eines Besseren belehrt: Die Kassen senken auf breiter Front die Festpreise. Die Pharmaindustrie zieht aber nicht einfach nach, sondern beharrt auf ihren Preisen als Rentabilitaetsfaktor. Dies ist nicht nur Beleg, dass es mit der behaupteten Nachragemacht der Kassen nicht weit her sein kann. Sie waelzen die Rechnung der Pharmaanbieter mit für sie lohnenden Preisen nicht nur in Form von neuen Zuzahlungen auf weitere und bisher befreite Medikamente, sondern mit zusaetzlichen Aufpreisen kraeftig auf die Patienten ab.
(Quelle: Südd. Zeitung v. 12.6.08, S. 6)



Ergaenzung 2:

Aktuelles zur Krankenkassenpolitik ueber die Festpreise  
  
Stand: Aug. 2014

Mit den Festpreisen fuer Medikamente verfolgt der Gesetzgeber einerseits, den Phar-
maherstellern eine gewisse Einnahmebasis zu verschaffen, andererseits die Kosten für die Krankenkassen zu deckeln. Für die Patienten wird es also nicht unbedingt billiger (s.oben).

Im Zuge der Gesundheitsreform haben die Krankenkassen die Befugnisse in Sachen
Regelung der Festpreise vermehrt als Hebel ihrer Kostenbewirtschaftung entdeckt
und kommen damit genau dem gesetzgeberischen Auftrag zur nachhaltigen Absen-
kung der Gesundheitskosten nach.

So beklagt ein Branchenverband Pro Generika anno 2014, wie ab 1.7.14 die Kranken-
kassen die erneute Senkung der Festpreise durch den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zu Lasten der Patienten betreiben: es gaebe nur noch an die 3000 zuzahlungsbefreite Arzneimittel, an die 2500 weniger als bisher.

Wollen die betreffenden Anbieter zu bisherigen Gewinnmargen trotz gesunkener Fest-
preise weiterhin anbieten, müssen vom Patienten erstmals Zuzahlungen oder außer
diesen sogar ein Aufpreis darauf geleistet werden.

Darueber erhalten die Krankenkassen indirekt Einflussnahme auf das Marktgeschehen:
Anbieter, die ihre Medikamente nicht mehr vorhalten können, weil vermehrt auf noch
zuzahlungs- und aufpreisbefreite Arzneien seitens Aerzte und Patienten umgesteuert
wird, muessen ihre Produkte u.U. aus dem Markt nehmen oder ganz schließen. - Ande-
re werden darueber zu noch moeglichen betrieblichen Rationalisierungen zu Lasten der
Arbeitnehmer veranlasst. So macht sich eine gewisse Nachfragemacht der Kranken-
kassen durchaus geltend.

Ideologie ist jedoch, dass die "Versorgungssicherheit" darunter leide. Wie geht denn
die Versorgung in der Marktwirtschaft: so und nur so, dass geforderte Preise berappt
werden koennen -und dies erfolgt allemal über die Abzwackung saftiger Beitraege vom
knappen Lohn. Und es ist dies eben kein Einspruch dagegen, dass Gesundheitskosten
aus aermlichen Loehnen der Patienten bestritten werden muessen, darueber eine gan-
ze Industrie samt Aerzten und Apotheker "ernaehrt" wird:
dass die Zuzahlungs- und Aufpreisliste immer laenger wird, ist allenfalls der Ein-
wand. Im Grunde lugt dahinter das Geschaeftsinteresse der Pharmaunternehmen:
bequem weiterhin ihren Absatz zu gewaehrleisten, ist eher der Masstab der Kritik, statt dass die Festpreispolitik von Krankenkassen zur Behinderung des Geschaefts wird.





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