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Hartz-Reform / allg. Arbeitsmarktpolitik

- Aktuelles  19                               Stand: Maerz 2012




Zur Entlassungswelle bei der Drogeriekette  S c h l e c k e r :

Vom staatlichen und unternehmerischen Umgang mit Massenentlassungen und von den Konkurrenzaffaeren 
auf den Drogeriemaerkten




Die Drogeriekette  S c h l e c k e r  entlaesst ueber 10.000 Mitarbeiter und schliesst ueber 2.000 Filialen, weil diese Firma offenbar auf  Grundlage geschmaelerter Massen- kaufkraft oder ueberhaupt begrenzter Kaufkraft*) und im Vergleich mit anderen Droge-
riekonkurrenten nur noch eingeschraenkt konkurrenzfaehig ist (andere Voraussagen prophezeien das endgueltige Aus des Drogerieriesen).

 

Die bloedeste und zugleich zynische Antwort des Staates / Arbeitsbehoerde auf (Mas- sen-)Entlassungen nicht nur bei Schlecker: den Leuten fehlt nicht etwa Geld zum Leben, wenn das Geschaeftsinteresse der Firma sie ueberfluessig macht; nein: es braucht eine "Qualifizierungsoffensive" - meint: die Leute sollen sich als benutzbare Arbeitskraft anderweitigen Geschaeftsinteressen anpreisen, die ihnen in Gestalt ihres Entlassers  Schlecker  gerade in existenzbedrohender / -vernichtender Weise klarge- gestellt haben , wie sich die materiellen Notwendigkeiten der Abhaengigen und der profitfoerderliche Umgang mit ihnen ausschliessen.        

Für die Abwicklung der Massenentlassungen lassen sich Insolvenzverwalter und staat- liche Mitabwickler so'n Zeug wie "Transfergesellschaften" einfallen: eine Art Zwischen- lagerung ausgestellter Arbeitsleute, voruebergehend mit Kurzarbeitergeld statt Arbeitslosenstuetze ausgestattet - und entlasten die Arbeitsbehoerde dahingehend, wie die einstweilen Unbrauchbaren irgendwie (sozial-)kostenentlastend und/oder ressourcenentlastend so schnell wie möglich anderweitig wieder ihre Dienste anbieten koennen.
Für die Entlasser soll sich dies so auszahlen, dass (massenweise) Kuendigungsklagen und Abfindungsregelungen umgangen werden koennten.

Die typische Haeme der Mitkonkurrenten liess nicht lange auf sich warten:
Schlecker haette beliebig irgendwo seine Filialen aufgestellt, keine konkurrenzfaehigen Preise und Sortimente im Angebot gehabt. Der Mister Rossmann gibt mit der Wettbewerbsstrategie an, seine Geschaeftspolitik immer danach auszurichten und 
Filialenbetreibung sowie Sortimentsgestaltung so einzurichten, wo sich die meiste Kaufkraft konzentriert, also profitabel abzuschoepfen geht (unter 100.000 Eur Einnahmen im Jahr mache Filialeroeffnung gar nicht erst sinnreich), bzw. wie man immer ganz nah mit seinem Sortiment an den "Kundenwuenschen" dran ist, aufdass man sie sogleich geschaeftstraechtig ausznutzen kann (Quelle: eine Maerz-Ausgabe 2012 der Bremer Tageszeitung WESER-KURIER).  



N a c h t r a g 1 - 30. März 2012

Seit 30.3.12 steht fest , dass das mit der Auffanggesellschaft für entlassene Bediens-
tete von Schlecker am Einspruch der FDP gescheitert ist. Für das Betreiben dieser Gesellschaft sollte ein Kredit einer oeffentlichen Bank aufgebracht werden und die oeffentliche Hand dafuer Buergschaften hergeben.
Die Kalkulation der Politik in solchen Faellen der Massenentlassungen ist schon mal, diese mit Transfergesellschaften unter wirtschaftspolitisch guenstigen Vorzeichen ab- zuwickeln, wenn einiges für die teilweise Fortfuehrung des Geschaeftsfeldes spricht: ein Investor sollte her, der moeglichst unbelastet von Abfindungsaufwendungen und Abwehrklagen der frueheren Mitarbeiter bei Schlecker einsteigt und darueber die sozialpolitische Last von einigen Zehntausenden neuen Arbeitslosen in Grenzen gehalten werden kann.

Marktradikale wie FDPler verfahren nach dem Motto: wenn jemand dermassen seinen Laden heruntergewirtschaftet hat, dass er auf staatliche Unterstuetzung angewiesen ist , verdiene dies nicht.  Der  Markt  habe schon laengst sein Urteil über die Wettbe-  werbsunfaehigkeit von Schlecker gesprochen - also soll doch der Laden in Namen der Reinheit der Marktlehre in Gaenze mit zig Tausenden zusaetzlichen Entlassungen abdanken - statt ihn erst zu stützen, und hinterher stelle sich sowieso der endguelti- ge Niedergang heraus.  - Außerdem ergäben sich mit Auffanggesellschaften sozialpoli-
tisch unproduktive Doppelungen: wofuer habe man denn die Arbeitsagenturen, die zu-
dem viel näher am oertlichen Arbeitsmarktgeschehen dran seien als zentralisierte Transfereinrichtungen (gewiefte Arbeitsmarktexperten für die Elendsbetreuung Ausge-
musterter  muessen es ja wissen , weil anderes als das Vorankommen nationaler Wirt-
schaftsmacht trotz und mit neuem Massenelend diese ohnehin nicht interessiert!).

Entgegen den sonstigen Klagen bei gesteigerten Arbeitslosenzahlen haben die Arbeits- agenturen im Falle der Schlecker-Entlassenen frohe Botschaften parat : es gaebe er- heblich mehr offene Stellen im Einzelhandel als entlassene Schlecker-Mitarbeiter, sodass ein Grossteil derselben innerhalb von 3 Monaten auf neuen Arbeitsplaetzen unterkommen könne. Welche Gemeinheiten dabei unterschlagen werden: 
Es ist den Agenturen so selbstverstaendlich wie nichts, dass Eigentumslose immer dem Bedarf des Kapitals hinterherzurennen haben;von sich aus haben sie absolut kein Mittel zur Hand, ihr Dasein zu fristen. Statt ihr Interesse an auskoemmlicher Bezahlung und ertraeglichen Arbeitsbedingungen wie -zeiten zaehlt einzig und haben sich Eigen- tumslose danach zu richten, was Eigentuemer und ihr Gewinninteresse ihnen wert ist.
Dass die Ex-Schlecker-Diener folglich schlechtere Bezahlung wie miesere Arbeitsbedin-
gungen, unguenstigere Arbeitszeiten und Anfahrtswege wie u.U. Wohnortswechsel in Kauf zu nehmen haben, dass wird den Leuten von Arbeitsvermittlern und Fallmanagern als zumutbar aufgezwungen.
Die  Gegenueberstellung  von  offenen Stellen und Nachfragern danach ist eine Milch- maedchenrechnung: als ob die auf Strasse Geworfenen mit Handkuss von anderen Kapitaleignern eingestellt wuerden, nur weil es Bedarf nach Arbeitskraeften gibt. Die Leute  haben sich  wie immer und ueberall in der feinen Markwirtschaft einem Konkur- renzvergleich zu unterwerfen; eben nach Massgabe dessen, dass sie in die Profit- rechnungen der Firmen passen, kriegen sie die Stelle;ein Grossteil geht i.d.R. leer aus. (wie hart dieses Konkurrenzgeschaeft fuer die Arbeitsleute laeuft, kann man daran studieren, dass Kapitalisten trotz eines immensen Ueberhangs an Stellennachfragern die jeweiligen Stellen eher unbesetzt lassen, wenn ihnen nicht die 1A-Besetzung auf dem Praesentierteller vorstellig gemacht wird;  so schaltet  eine Hafenbetriebsgesell-   schaft  zur Vermittlung  von Zeitarbeitern für mehr oder weniger einfache Lagerarbei- ten im  norddeutschen  Staedtele Bremen  seit wenigstens ueber 1 Jahr staendig die glei- chen Anzeigen desselben langweiligen Inhalts "suchen Lagerhelfer etc."- was mit Sicherheit nicht daran liegt, dass es zuwenig Lagererfahrene gaebe, sondern an der brutalen Anspruchshaltung der werten Arbeitgeber).                   
 


N a c h t r a g 2 - 8. Mai 2012

Zwischenbilanz zur grossartigen Arbeitsmarktlage für Schlecker-Entlassene
 
Nach Medienberichten haetten von den ueber 10.000 Entlassenen bis dato gerade mal 10 Prozent eine Stelle ergattert.

Vertreter der Arbeitsagenturen,die zuvor die rosigen Aussichten für Ex-Schlecker-Mit-
arbeiter hinausposaunt haben, erzaehlen uns:

1.
Festangestellte werden kaum gesucht.
2.
Aus dem Bereich prekaerer Beschaeftigung wie befristete u./o. 400-Euro-Jobs gaebe es jede Menge Angebote.
3.
Kraeftige Abstriche bei der Bezahlung waeren unverzichtbar.

Fazit:
So sehen sie also aus, die grossartigen Job-Aussichten der ehemaligen Schlecker-Be- diensteten.


(Quelle zum Nachtrag 2: TV-Sendung "Fakt" v. 8.5.12)





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*)Lohnsenkungen oder allgemein knapp bemessene Löhne, die Unternehmer als Mittel der "Kosten- optimierung" einsetzen, die sich zugleich als Schmaelerung des profitablen Verkaufs von Massenware wie Drogerieartikel bemerkbar machen; also Lohn als Kost und Lohn als Geschaeftsmittel in Sachen Realisierung von Warenpreisen stehen einander entgegen. Daran wird ein tuechtiger Unternehmer nicht irre: er kennt erst einmal nur die betriebswirtschaftliche Strategie, wie er über Kostensenkung und konkurrenzfaehige Preisgestaltung den Mitkonkurrenten moeglichst viel Marktanteile abjagt.     Alternative Wirtschaftswissenschaftler, Gewerkschafter und Linke machen aus dem o.g. Widerspruch die parteiische Sorge um eine wirtschaftsstandortvertraegliche Kaufkraftpolitik:der Lohn figuriert da nicht mehr als Lebensmittel der Leute, sondern als Beitrag zur nationalen Wirtschaftskraft - mehr oder weniger Lohnerhoehungen dienten doch auch den Gewinninteressen von Geschaeftsleuten, naemlich der rentablen Versilberung ihrer Waren. 




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