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Hartz-Reform / Allgemeine Sozialpolitik


- Aktuelles  20
                              Stand: Mai 2012




Zum Betreuungsgeld und dem Fuer und  Wider:

Ein Lehrstueck ueber den staatlichen Umgang mit dem nationalen
Nachwuchs



Das Für und Wider in Bezug auf das Betreuungsgeld hat einen gemeinsamen Nenner:
es geht darum, wie brauchbarer Nachwuchs für Deutschland und seine Fabriken wie Büros am zuverlaessigsten herbeigeschafft werden koenne.

Eine  CSU betont  den Wert der  Familie als den  nationalen Hort für deutschen Nach- wuchs , den sie belohnt haben will  in Gestalt einer Anerkennungspraemie namens Be- treuungsgeld und zielt damit zu Felde gegen eine Sorte Familienpolitik, die die Her- richtung deutscher Nachkoemmlinge für die ökonomischen und politischen Vorhaben des Gemeinwesens mehr unter staatliche Aufsicht nehmen will:

"Die Schutzwuerdigsten koennen in den ersten drei Lebensjahren am Sinnvollsten zu Hause erzogen werden. Der Elternteil, der deshalb nicht arbeiten geht, soll dafuer als Anerkennung 150 Euro im Monat erhalten. Der Betrag ist zwar zu niedrig, doch er ist immerhin ein Anfang.
Die Mehrheit der veroeffentlichten Meinung sieht das anders. Der moderne Zeitgeist will die Kinder quasi direkt aus dem Kreisssaal in staatliche Obhut schicken und haelt das ab 2013 geplante Betreuungsgeld fuer unnuetz..."
        
(Quelle: www.stern.de/betreuungsgeld)


Die Gegner des Betreuungsgeldes stellen erstens in Rechnung und haben nichts gegen die damit bezeichnete Haerte für Familien, dass aufgrund der grassierenden Verarmung und Niedriglohnpolitik von Staat und Wirtschaft immer mehr Familien darauf verwie- sen sind, die Frauen als Zuverdiener einzuspannen - neben ihren Pflichten als Hausfrau und Kinderbetreuerin. Um beides irgendwie zu arrangieren, stellen Sie den Kita-Ausbau als grossartigen familienpolitischen Service für die "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" hin. Dass man schlecht gleichzeitig Kinder beaufsichtigen kann und der Wertarbeit in deutschen Firmen nachgehen kann, dafuer soll Kita-Unterbringung eine Erleichterung sein, wo es eine potenzierte Belastung für die Frau darstellt, als Arbeits- und Familiendienerin zu fungieren; oder hören Haushalts- und Betreuungspflichten etwa auf, wenn Kitaschluss eingelaeutet ist!


"Nicht nur, dass unzaehlige Muetter gezwungen sind, moeglichst bald nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten zu gehen, wenn ihnen ihr Job lieb ist. Es ist oft genug auch gar nicht moeglich drei Jahre zu Hause zu bleiben, weil die Familienfinanzen das nicht hergeben - und das reissen auch 150 Euro nicht raus..."
(Quelle: www.stern.de/betreuungsgeld)

Die Fans der Kita-Betreuung entdecken zweitens, wie man mit Kita-Aufzucht bereits unter 3 Jahre alter Kinder diese schon in diesem zarten Alter effektiver als kuenftige nationaloekonomische und politische Ressource fuers Gemeinwesen und nationales Ge- schaeftsleben ins Visier nehmen kann.
Die Aufruestung fuer die Haerten der Konkurrenz im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt koenne verlaesslicher bereits im Kleinstkindalter begonnen werden : fuer je haertere Konkurrenzbedingungen und -perspektiven Nation und Wirtschaft fuer die nationalen Insassen sorgen, um fuer so noetiger wird dies offenbar befunden:

"Auch das Institut für Wirtschaft (IW) plaediert für einen Verzicht auf das Betreuungsgeld. Dem IW zufolge hat eine Untersuchung der gesamtgesellschaftlichen Effekte der Ganztagesbetreuung von Kindern in Ein-Elternfamilien ergeben, dass ein laengerer Besuch von Betreuungseinrichtungen die Wahrscheinlichkeit erhoeht, dass die Kinder spaeter ein Gymnasium besuchen."
Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/procontrabetreuungsgeld100.html)



Nachtrag - Juni 2012


Meldungen u.a. v. 6.6.12

Die SPD verurteilt Betreuungsgeld als "Herdpraemie", die Leute vom Arbeiten abhalten wuerde.
War da nicht mal was damit, dass die Sozis es mit den Armen haben - frueher also Betreuungsgeld denen eingeleuchtet haette als finanzielle Erleichterung angesichts der mit Erziehungszeiten eines Elternteils verbundenen materiellen Einschraenkungen, wenn dieser deswegen Job aufgeben musste? Heute als Opposition sollen sie ja wieder ihre soziale Ader entdeckt haben und damit die noch viel sozialere Linke noch mehr politisch bedeutungsloser machen als diese schon ist (dass es sich hier um politische Berechnungen handelt hinsichtlich vermehrter Gunsterweisung durch die Waehler, die eigentliche  Staatsraeson  bei  SPD um  keinen Deut von den anderen Etablierten ab- weicht, sei mal dahingestellt. Andererseits wird sich im Folgenden zeigen, dass für die heutige SPD das Soziale sich dahin aufloest, was sie als nationale Notwendigkeiten im Programm hat, bzw.: das national Erforderliche kommt als Erfuellung sozialer Belange daher , nicht nur kenntlich an dem anti-materialistischen Spruch, "sozial ist , was Ar- beit schafft").  
Dass Betreuungsgeld vom Arbeiten abhalte, ist zunaechst mal sachlich der Nonsens, wegen 100,- bis 150,- Eur "Herdpraemie", also einem besseren Taschengeld, wuerden sich Leute dazu verleiten lassen, auf regulaeren Arbeitsverdienst zu verzichten, dessen Verlust nicht im Entferntesten durch das Anerkennungsgeld aufgewogen wird.
Es faellt auch unter den Tisch , wie es die marktwirtschaftliche Gesellschaft den Leu- ten mit aller Haerte vorfuehrt, dass sich Kinderkriegen und -aufziehen nicht vertraegt damit, gleichzeitig einem Einkommenserwerb nachzugehen, also ersteres erst einmal materielle Not bedeutet, die keiner Kritik fuer wuerdig befunden wird. Stattdessen laborieren Politiker daran herum, wie beides zu vereinbaren ginge - und schon wieder ist denen egal, dass mit der Doppel- und Dreifachrolle als Verdienerin, Ehefrau samt Haushaelterin  und Kindererzieherin  der Frau eine Doppel- und Dreifachbelastung auf- gebuerdet wird. Es gilt vielmehr als schick und modern, nicht eben als zynisch, wie es tatsaechlich ist, Frau und Familie dabei unter die Arme zu greifen, diese Zumutungen der Doppel- und Dreifachbelastung gleichwohl irgendwie zu stemmen. 
Und darin erschoepft sich das Soziale nicht nur bei der SPD, alles und jedes danach zu goutieren , wie es zur nationalen Wohlfahrt beitraegt: aus der existenziellen Notwen- digkeit, arbeiten gehen zu muessen und Erziehungs- wie Hausarbeit zu organisieren - wobei Kinder-Haben diese noch um einiges steigert, weil Kinder-Unterhalten einen entsprechend groesseren Kostenblock im Haushaltsgeld veranschlagt -, daraus machen Sozis, dass es Bestimmungsgrund blosser Arbeitskraftbesitzer sei, dass die dafuer da seien, sich reichtumsvermehrend fuer Staat und nationale Marktwirtschaft krummzulegen. 
"Wir brauchen dringend Kitas statt Betreuungsgeld" - so unisono SPD und Gruene. Warum denn das? Erst noetigen sie den Frauen die Doppel- und Dreifachfunktion als Dienerin der Familie und an dem Geschaeft auf, unterstellen also die andauernde und verschaerfte Armut der Leute - und dann stellen sie als staatlichen Dienst hin, die Goeren (im Regelfall gegen Gebuehr) in Aufbewahrungsanstalten namens Kitas abzuliefern zu koennen, damit sich auch die Frauen voll und ganz fuer die Schaffung fremden Reichtums verausgaben koennen. Und nach Kita-Schluss duerfen sie sich wieder den Kleinen widmen, nach Arbeitsschluss wieder die Familie bekoecheln, Einkaufen gehen, Hausarbeiten erledigen und treuherzige Ehegattin hergeben. Da sage einer, von diesem 24-Stunden-Programm der sorgenden Mutter, Ehefrau und Arbeits- magd merke man irgendwas von Erleichterung, wenn staatliche Familienpolitik den Kita-Ausbau zur nationalen Prioritaet erklaert.

   

Nachtrag - Okt. 2012

Auch die Linke ist sich nicht zu schade,  für eine Variante der Foerderung der Dienst- barkeit der Leute für Wirtschaft und Nation Partei zu ergreifen,  wenn sie das Betreu- ungsgeld als "Herdpraemie" denunziert. Abgesehen davon, dass es ein einziger Schmarren ist, jemand liesse sich fuer 100 bis 150 Euro abkaufen, auf möglichen und notwendigen Arbeitsverdienst zu verzichten:  Die Alternative  zum trostlosen Abmue- hen als Reproduktionsgehilfin der Familie ist nicht die wenig eintraegliche Plackerei im Dienst von Geschaeftemachern.   Die im  Prinzip bleibende Doppel- und Dreifachbelas- tung der Frau, eben unterbrochen allenfalls durch ein paar Stunden Kitaaufbewahrung der Gören - das soll der neue sozialpolitische Fortschritt sein, für den sozialkritische Menschen einzutreten haetten? - Darueber wird auch mal eben vergessen, dass  Linke eher etwas gegen die oekonomische Ausnutzung von Frau und Mann haben und nicht die Werktaetigkeit in kapitalistischer Fabrik oder Buero als das Eldorado auf Erden feiern.         





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