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- Aktuelles 26                                       
                                                                   

Stand: Mai 2015


Der 1. Mai 2015 des Deutschen Gewerkschaftsbundes:

Statt Kritik nichts als Lobhudelei der Lohnarbeit und deutsch-
nationaler Wirtschaftskraft

Von DGB-Chef  Hoffmann verlautet, deutsche Wirtschaft sei in guter Verfassung und der
Arbeitsmarkt waere "robust" (Quelle: NDR Info, 1.5.15).
Wie redet da ein Arbeitervereinsfuerst ueber Verhaeltnisse, die durch nichts als Unverein-
barkeiten der Interessen von Kapitaleigentuemern und abhaengig Beschaeftigten gekenn-
zeichnet sind, daher? So, als gaebe es diese eigentlich nicht. Es wird dank der "guten Ver-
fassung" der Wirtschaft (man beachte: die kapitalistische Geschaeftemacherei kommt
gleich als heilbringendes Mittel fuer diejenigen daher, die sich fuer sie krummlegen muessen)
das Lohnarbeitssystem regelrecht als "robust" beschoenigt (das Problem mit immer noch
fast 3 Mio. ausser Lohn und Brot Gesetzten ist wohl erledigt, kann die Gewerkschaft mit
leben).
Weil der DGB laengst seinen Frieden mit Lohnarbeit und Kapital geschlossen hat, entdeckt
er allenfalls noch ein paar unnoetige haessliche Seiten der letzteren: Niedriglohnsektor,
Leiharbeit, Werkvertragsarbeit, die mit Duldung der Gewerkschaften zustande gekommen
sind, werden eben nicht etwa als oekonomische Waffen der Unternehmerschaft kritisiert,
die den vom DGB gefeierten wirtschaftlichen Aufschwung des bundesdeutschen Kapitalis-
mus befluegelt haben, sondern werden verharmlost als dunkle Flecken, Schoenheitsfehler
des nationalen Geschaeftslebens.
Deswegen wird auch nicht die Produktion der mit Niedriglohnsektor einhergehenden ar-
beitenden Armen und Elenden fuer sich beklagt, insofern dies zurueckgefuehrt wird auf
ein staatlich legitimiertes flaechendeckendes Geschaeftsinteresse - der Niedriglohnsektor
hat schliesslich trotz und unter Zuschauen der Gewerkschaften kraeftigen Aufwuchs er-
fahren. Das Hauptanliegen des DGB ist irgendwelcher Regelungsbedarf in der bekannten
Kumpanei mit Staat und Kapital, der mitnichten deren Interessen in die Quere kommt.
Der reklamierte Regelungsbedarf zielt garantiert nicht darauf, die Arbeitnehmer der mit der
Erzwingung von elenden Arbeits- und Entlohnungsbedingungen herbeigefuehrten Not zu
entheben.
Die explizite Anti-Kritik bzgl. Lohnarbeit und Ausbeutung legt an den Tag, wer ausgerechnet
diese als identitaets- und zusammenhaltsstiftend definiert (so ein Gewerkschafter auf
NDR Info, 1.5.15).  Dies setzt der Feier der Lohnarbeit am Tag der Arbeit die Krone auf:
Ausbeutung und Lohnarbeit als heimatliche Gefilde der Ausgebeuteten, wo der Arbeitende
ganz ineins ist mit seiner Werkelei zum Nutzen der Geschaeftemacher. Haben solche Arbei-
tervertreter noch alle Tassen im Schrank?
Geforderte "Gute Arbeit" ist noch so ein Kalauer: Arbeit als Vermehrung fremden Eigentums
in Form von Kapital steht wie ein Baum als daran nicht zu ruettelnde gesellschaftliche
Konstante: Entgegen bleibender Gruende fuer Unzufriedenheit mit den Ergebnissen iher
Dienste fuer Staat und Kapital, trotz gegenteiliger wiederholter Erfahrungen angesichts
dessen, wie Staat und Kapital ihren Eigennutz auf Kosten von Arbeiter und Angestellten
durchsetzen, sollen letzteren Gesichtspunkte geliefert werden, Zufriedenheit in und mit
der abhaengigen Arbeit sich einzubilden. Mein  "Gott", welcher Anti-Materialmus spricht
aus solchem gewerkschaflichen Programm!
Der Mindestlohn hat es den Gewerkschaften am hiesigen Tag der Arbeit angetan. Er sei
historisches Ereignis oder sogar historischer Sieg (ARD-Tagesschau, 1.5.15): Erst schaut
der DGB jahrelang zu, wie sich der Lohn im freien Fall befindet. Dann bedankt er sich aus-
gerechnet beim Staat - insofern eher konsequent -, wie der sich der Lohnfrage annimmt.
Die Abgabe der Zustaendigkeit fuer den Lohn, jedenfalls, was irgendeine Untergrenze be-
trifft, die keinem Arbeiter materielle Not erspart (es ist unterster Lohnlevel das mit den
8,50 Eur), erspart der Obrigkeit, die mit Sicherheit nicht das Wohlergehen der Leut im
Auge hat, keine Ermahnungen, eine Sorte Armutslohn von 8,50 Eur auch richtiggehend 
gegen die Unternehmer durchzuboxen und ja keine weiteren Ausnahmen oder Uebergangs-
regelungen zuzulassen.   M e r k e  werter Lohnarbeiter: wenn Gewerkschaft und Staat 
sich fuer deine materielle Lage kooperativ ins Zeug legen, meinen sie das Wohl des natio-
nalen Wirtschafts- und Gemeinwesens.


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