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Hartz-Reform / Arbeitsmarktpolitik 

- Aktuelles 28                                      
                                                                   

Stand: Juli 2017



Anlaesslich der Sendung zu Minijobs auf Deutschlandfunk am 6.7.17 *)

Vom materiellen Elend der Minijobber und der ideellen
Ueberhoehung einer Form prekaerer Beschaeftigung

  
 
Hier geht es nicht, wie es Tenor der Sendung war, um Arbeitnehmer- oder Verbrauchertipps, fuer wen 
sich Minijobs mit 450,- EUR oder Midijobs ab ca. 800,- EUR Monatsverdienst oder eher Teilzeitarbeit
eigne und deren sozial-/steuerrechtliche Vor-/Nachteile.
Solche Ratschlaege sind jenseitig von der rationellen Bestimmung dessen, was solch prekaeren Be-
schaeftigungsverhaeltnisse der Sache nach sind.

Wie die Bezeichnung Minijobs bereits verraet, sind diese von vornherein gar nicht darauf angelegt, den
Lebensunterhalt von irgendwem irgendwie zu bestreiten. Wer kann schon mit 450,- EUR auch nur sei-
ne dringendsten Lebenserfordernisse wie Miete, Kleidung, Lebensmittel finanzieren? Es ist eben eine
erbaermliche Sorte von Zuverdienst oder Alleinverdienst; es soll sogar welche geben, die gleich 3 da-
von zulegen, weil kein Unternehmer sie fuer "normal Beschaeftigte" gebrauchen will.

In der Regel treibt die pure Not, entweder ueberhaupt keine auf Ueberleben als Lohnarbeiter zuge-
schnittene Arbeitsstelle ergattern zu koennen, oder aber die Geldknappheit aufgrund bestehender
Voll-/Teilzeitjobs (sodass nicht wenige sich die Haerte antun, nach arbeitsreichem Tag im Hauptberuf
noch einige Stunden als Minijobber dranzuhaengen) die Leute dazu, solch miese Jobs anzutreten. Nicht
von ungefaehr sollen ueberwiegend Frauen von Minijobs Gebrauch machen, naemlich als Unterstuetzer
des Hauptverdieners, der nicht genug Geld zum Leben der Familie nach Hause zu bringen in der Lage
ist, weil marktwirtschaftliche Unternehmer ihn wegen ihrer Kosten-/Profitrechnung klein halten.

Und was war der Haupttenor der Sendung: das materielle Elend der Minijobber kommt so zur Sprache,
dass Minijobs als einziges Angebot, willkommene Gelegenheit zur Aufbesserung der Geldboerse daher-
kommen. Die Betreffenden, die sich derart zu Wort melden, haben laengst sich dem "Schicksal" gefuegt,
dass man seine existentiellen Notwendigkeiten nur in der Unterwerfung unter die wirtschaftliche Kalku-
lation von Kapitaleignern unterzubringen in der Lage sei.
Voellig aus der Rolle fallen solche Stellungnahmen, wenn gleich gar nichts Materielles mehr als Gesichts-
punkt vorgebracht wird: "Unter Leuten sein" - dafuer sei ein Minijob gut.

Die Moderatoren und Mitbestreiter solcher Sendungen befeuern noch ordentlich die Ideologie ueber pre-
kaere Arbeitsverhaeltnisse: sie koennten "Sprungbrett" zu normaler Beschaeftigung sein. Dies soll einer
Putzfrau oder einem Regaleinraeumer im Supermarkt einleuchten, die ausschliesslich von Unternehmen
unter dem Aspekt des beschraenkten Einsatzes, als "Springer" eingeplant sind oder zur Bewaeltigung
zeitweiliger Mehrarbeit des Betriebs. Ausgerechnet der Sonderfall, dass Studenten mit entsprechender
beruflicher Ausrichtung Minijobs ausueben als Form von Praktika und nach Abschluss ihrer Ausbildung
als Bessergestellte vom Unternehmen als Vollzeitkraft gefragt sind, soll Beleg dafuer sein, dass (fast)
jeder Minijobber aus sich was machen koenne in Richtung Vollzeitstelle.

Auf die doofen Ratschlaege, wie sich bei einem Hungerlohn von der sozialversicherungs-/steuerrechtli-
chen Seite noch ein paar Cent als Zugewinn rausschlagen liessen,darauf wird nicht weiter eingegangen,
weil fuer sich Zynismus genug!



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*)Quelle:

http://www.deutschlandfunk.de/marktplatz.771.de.html
Sendung vom 06.07.2017:
Minijob, Minirechte?
Arbeiten auf 450-Euro-Basis



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