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J u d e n  i n  d e r  AfD  – Dez. 2018:

 
Zu einem erlesenen Streit über die Vereinbarkeit des offiziellen Judenbildes
von Nachkriegsdeutschland und Juden als Mitglieder der AfD-Rechtspartei

  

Zur Klärung des Sachverhalts sei folgendes Zitat nach

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-10/juden-afd-jafd-vera-kosova

vorangestellt: 

„Juden in der AfD

Jüdische AfD-Mitglieder gründen Vereinigung

In Wiesbaden hat sich die Gruppe Juden in der AfD gegründet. Zuvor gab es viel Kritik an der Vereinigung, sie passe
nicht zu den antisemitischen Tendenzen in der AfD.

7. Oktober 2018, 18:15 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, KNA

Jüdische AfD-Mitglieder haben sich in Wiesbaden zur Gruppe Juden in der AfD (JAfD) zusammengeschlossen. Der 
Verein bestehe aus 24 jüdischen Gründungsmitgliedern, sagte Wolfgang Fuhl, stellvertretender Vorsitzender der neuen 
Gruppierung und Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Lörrach. Zur Vorsitzenden der neuen Gruppe wurde Vera Kosova, AfD-Bundestagswahlkandidatin aus Nürtingen, gewählt. 

Eine vorab bekannt gewordene Grundsatzerklärung nennt vor allem zwei Auslöser für die Gründung der Gruppe: zum
einen eine "unkontrollierte Masseneinwanderung" junger Männer aus dem "islamischen Kulturkreis" mit "einer
antisemitischen Sozialisation" sowie die "Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie" durch "Gender-
Mainstreaming" und "Frühsexualisierung". Das Verhältnis zu Israel wird ausschließlich mit Blick auf die Bedrohung 
durch den radikalen Islam erwähnt. 

Viel Kritik an Juden in der AfD

Die geplante Gründung der JAfD war im Vorfeld auf Kritik gestoßen. In einer gemeinsamen Erklärung (PDF) hatten
insgesamt 17 jüdische Organisationen, darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland, die AfD unter anderem als
rassistische und antisemitische Partei bezeichnet. AfD-Mitglieder sind schon mehrfach durch antisemitische und holocaustrelativierende Äußerungen aufgefallen. 

Der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag Volker Münz wehrte sich gegen die Kritik. Ihm zufolge
widerspreche es der Demokratie, wenn die Organisationen Juden vorschreiben wollten, welcher Partei sie sich 
anschließen dürften, sagte Münz im Deutschlandfunk. In der Grundsatzerklärung der JAfD heißt es, dass der
Einfluss von "Antisemiten wie Wolfgang Gedeon" in der AfD "maßlos überschätzt" werde. Der baden-württembergische
Landtagsabgeordnete Gedeon relativierte unter anderem das Ausmaß des Holocausts auf wenige Zehntausend Opfer.
Der Versuch, ihn aus der AfD auszuschließen, scheiterte.“ 

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 S t e l l u n g n a h m e:

Judenorganisationen und andere Judenfreunde wundern sich, wie sich Leute als bekennende
Juden ausgerechnet in einer als antisemitisch eingestuften Partei outen. 

Hier wird ein Widerspruch in die Welt gesetzt, der nur deshalb einer zu sein scheint, weil
die seit Jahrzehnten durchgesetzte offizielle Verbundenheit mit dem Judentum und dem
jüdischen Staat wegen der ‚Verbrechen‘ der Nazis an den Juden jeden Angehörigen der
‚jüdischen Gemeinschaft‘ und selbst den Staat Israel mit seinen kriegerischen Feindschaften
gegen Palästinenser und unbotmäßige Araber als Insigne für zweifellose Lauterkeit erhoben
hat. 

Wenn „AfD-Mitglieder schon mehrfach durch antisemitische und holocaustrelativierende Äußerungen
aufgefallen (sind)“
, dann kriegt ein Anti-Antisemit nicht zusammen, dass
eigentlich wohlgelitten sein sollende Juden sich in einer judenfeindlichen Organisation
zusammenfinden. Kann es nicht sein, dass jüdischen AfD-Mitglieder in einer ganz anderen
Eigenschaft, als ihnen pauschal im Rahmen der Ideologie von der unbedingten Reinheit des Semitismus zugesprochen wird, als Juden zugleich den Holocaust leugnen können? 

Wenn als Auslöser für die Gründung von Judengruppen in einer Rechtspartei u.a. "unkontrollierte Masseneinwanderung" gegolten haben soll, dann verstehen sich AfD-
Juden eben als die deutschen Rechtsnationalisten mit ihrer Ausgrenzung von Ausländern,
die nicht hierher gehören oder zu Deutschland passen würden, wie es die fremdenfeindliche
Räson der Rechtspartei vorgibt. 

So passt es dann zusammen, dass man als jüdischer Rechtsnationalist zugleich den
Holocaust zu leugnen in der Lage ist. Und dann ist es offenbar auch kein Widerspruch,
dass jemand, der jüdisch ist, der AfD angehört. Dann sind es aber für die demokra-
tischen Judenfreunde zumindest Verirrte, die schleunigst der Rechtspartei den Rücken
zu kehren hätten, wo dann die AfD-Retourkutsche auf dem Fuße folgt, ausgerechnet
im Namen der von den Rechten gescholtenen Demokratie als Verstoß gegen dieselbe
zu reklamieren, Juden vorschreiben zu wollen, in welcher Partei sie sich engagieren dürften.





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