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Rentenreform

- Aktuelles 2                          

Stand: Jan. 2008                   



Ideologien zur Rentenreform      
              



Riesterrente und Co. - ein einziger Auftrag zur Ersparung staatlicher Sozialkosten


Da berichtet eine Monitor-Sendung (ARD), dass sich für Niedrigverdiener die Geldanlage in Riesterrentenversicherung als eine Form der Zusatzrentenversicherung neben betrieblicher oder gesetzlicher Altersversorgung absolut nicht lohnt, weil sie im Alter trotzdem auf Sozialhilfe oder sog. (Alters-)Grundsicherung angewiesen gemacht werden.

Man könnte anlässlich dessen ein paar Gedanken darauf verwenden, mit welchen armseligen (und von wem wohl zu verantwortenden?) Lebensumständen man da konfrontiert wird: Das Einkommen so trostlos, dass man im Alter mit gesetzlicher Rente – wenn überhaupt – noch unter dem offiziellen Almosenniveau abgespeist wird. Dann die nicht weniger erbärmliche Kalkulation anstellen, von einem Lohn/Gehalt , das zum Leben und Überleben jetzt und heute nie und nimmer reicht, für Zusatzrente etwas abzuzweigen, was an der Verarmungsperspektive im Alter absolut nichts ändert – Eine Kritik an den Urhebern solcher Miseren in Wirtschaft und Nation wäre fällig!


Stattdessen schimpft es aus Arbeits- und Sozialministerium, dass der Monitor-Bericht eine einzige Verunsicherung der Niedrigverdiener sei, ein einziger Anschlag auf das Recht des Staates, Sozialkosten zu sparen, wenn die Leute trotz erwiesener Untauglichkeit von Riester und Co. für irgendeine Sorte finanzieller Besserstellung davon abgehalten würden, weiterhin ihre paar Spargroschen in Rentenfonds oder dergleichen anzusammeln. – Vor jeder Berechnung für sich gilt der Grundsatz: Renté + Zusatzrente gingen Sozialhilfe/Grundsicherung vor – dies und nicht etwa ihr Auskommen  ist von Belang.




Fortsetzung                 Stand: März/April  2008 

Da sollen die Leute von ihren Geringstverdiensten noch Opfer für Zusatzrentenversicherung erbringen, wiewohl sie trotz Rente + Zusatzrente absehbareweise im Alter Aufstockung in Form sog. Grundsicherung beantragen müssen. Und diese jahrelang abverlangten Opfer werden dann noch mal gegen die Leut geltend gemacht, indem das bisschen Riesterrentenzahlbetrag im Falle notwendig werdender Aufstockung um Sozialhilfe angerechnet wird - natürlich im Rahmen sog. Schonvermögens. Der Schluss drängt sich auf, dass man dann als Niedrigverdiener den Riesterrentenquatsch gleich ganz sein lassen kann, wenn man trotz Rente + Riester Sozialhilfe nötig hat und diese auch noch zugreift auf die Ansparopfer von früher.

Um Gegenbeispiele sind die politisch verantwortlichen und öffentlichen Protagonisten von Riester und Co. natürlich nicht verlegen. 
1.
Der neue Arbeitsminister und Experte für Versicherungsfragen Scholz lässt verkünden, dass u.a. nach Ansparzeit von 20 Jahren sehr wohl das Grundsicherungsniveau überschritten würde:
Dann ist ja alles gut, wenn Alters- + Zusatzrente über rd. 600 Grundsicherung nach heutigen Maßstäben zu liegen kommt, also nicht nur die Altersarmut mit 600 Eur + Riester kein Problem ist, sondern der Staat von 600 plus nach jetzigem Stand nichts anrechnen kann, weil es nichts anzurechnen gibt, der Rentner sich nämlich mit 600 + zufrieden zu geben hat und keine weiteren Ansprüche an den Sozialtopf zu stellen hat.
Nebenbei: Das mit den 20 Jahren ist ja wohl ein Witz: hängt ein bisschen davon ab, wie viel gesetzliche Rente der Niedrigverdiener zu erwarten hat und wie viel Eigenleistung er über 20 Jahre berappen kann, ob man zusammengenommen wenigstens über die staatlichen Almosen zu liegen kommt.
2.
Die Rentenexperten von BILD rechnen sogar den Wahnsinn vor, wie jemand mit einem Kind und 10000 Jahreseinkommen, 154 Grundzulage und 185 Kinderzulage bei Eigenanteil von sage und schreibe bloß 5 € mtl. am Ende eine Zusatzrente von 93 € erhalte. Mal abgesehen davon, ob die Rechnung so aufgeht (ohne sich her als Rentensachverständige zu gerieren, was uns fern liegt, es kommt hier auf den sozialökonomischen Gehalt der Chose an: um die Zulagen beanspruchen zu können, dürfte anno 2008 ein Mindestbeitrag von um die 200 €  jährlich nötig sein): sie ist ein erbärmliches Eingeständnis der bleibenden Armut von Rentnern, wenn vorgerechnet wird, mit wie wenig Einsatz man ein besseres Taschengeld von 93 € zu seiner mageren gesetzlichen oder betrieblichen Rente dazuerhielte. – Des weiteren preist BILD den Riester-Unsinn ausgerechnet damit, dass im Falle der Anrechnung von Riester bei Niedriglöhnern sich der Staat im Wesentlichen doch nur die Zuschüsse zurückhole. Also: erst lobt das Proletarier-Blatt, wie billig man an Zulagen und Zusatzrente herankäme – und hinterher ist fast alles futsch, wenn derjenige auf Aufstockung zu Altersbezügen angewiesen ist. Aber es seien ja nur die Zuschüsse zu Riester weg. Welch ein Trost für den Rentner mit der Almosenzugabe!

 



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