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Die Sanierung Karstadts - eine Fortsetzungsgeschichte:


Karstadt-Eigentümer belohnen Lohnverzicht der Mitarbeiter
mit Massenentlassung

(Stand:  Juli 2012)
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Zur Lage Karstadts in 2014




Lt. Zeitungsmeldungen v. 17.07.2012 plant Karstadt die Entlassung von rund 2000 Mitarbeitern.
Es seien allerdings (wahrscheinlich vorerst) keine Filialschliessungen oder Verkaeufe geplant.
Es ginge um Abbau  "veralteter Strukturen ";  neuerliche Massnahnahmen geschaeftlicher
Sanierung seien auch noetig, um "Schwierigkeiten" auf den Maerkten zu begegnen, die mit Euro-
Krise und Kaufzurueckhaltung zu tun haetten.


Die aktuellen Sanierungsmassnahmen werden als Reaktion darauf vermutet, dass eine Vereinbarung
auslaufe, wonach die Beschaeftigten zeitweise auf Teile der Gehaelter verzichtet haben, diese aber
nunmehr auf alten Stand wieder aufgestockt werden muessten.


Das haben also die "lieben Mitarbeiter" davon: Lohnverzicht soll das Mittel sein, mit dem Heraushelfen
des Unternehmens aus der Krise auch fuer ihre materiellen Belange was zu erwirken. Prompt werden
zu Tausenden Stellen gestrichen, weil die Firma sich die einstige Lohnkostenersparnis und wahrscheinlich
noch Einiges darueber hinaus nicht nehmen laesst bzw. neu herausnimmt.  M e r k e  also: Lohnverzicht
lohnt nicht! Ganz anders dagegen die Mitarbeiter: sie kommen der Firma moralisch; wo sie doch einige 
Vorleistungen erbracht haetten, laesst man sie jetzt im Regen stehen, wuerde also doppelt bestraft.
- Die Gewerkschaft bettelt um Erhalt der Arbeitsplaetze mit der Begruendung eines hoeheren Nutzens
fuer Karstadt: wie soll denn der Kundenservice und anderes weiterhin zur Zufriedenheit der Kundschaft
des Warenhauses abgewickelt werden koennen, wenn die Zahl der Mitarbeiter merklich abgebaut wird?
Mit einem Angriff auf die Verfolgung von oekonomischen Interessen des Unternehmens auf dem Ruecken
der Leute hat dies nichts zu tun.   


(Quelle: Weser-Kurier v. 17.07.2012)

Der seinerzeit vorerst letzte Stand  der  geschaeftlichen Neuausrichtung und Aufrues- tung des
Warenhauses kann nachgelesen werden über folgenden Link:



Nachtrag: Zur Lage Karstadts in 2014

Der bisherige Eigentuemer Bergruen soll die Warenhaeuser fuer symbolischen 1 Euro an oesterreichi-
sches Immobilienhaus verschachert haben. Gemaess vorgesehenem harten Sanierungsplan sollen
voraussichtlich an die 20 unrentable Filialen geschlossen werden mit entsprechenden Massenentlas-
sungen.
(Quelle: NDR Info, Radio Bremen 1 v. 15./16.8.14)


Ideologisches:

Berggruen habe nur Geld aus Warenhauskette rausgezogen statt zu investieren; gehe mit Karstadt
um, wie es die "Heuschrecken" taeten.

Als gestandene Parteigaenger betriebswirtschaftlicher Rationalitaet sollte gewusst sein, dass Unter-
nehmer nur dann investieren, wenn entsprechende Geschaeftsaussichten winken. Die schrumpfende
Umsatzentwicklung Karstadts sprach eine andere Sprache. Was versucht wurde, war die Ausmistung
von Sortimenten und Verkleinerung wie Verbilligung der Belegschaften. Einen vorzeigbaren wirtschaft-
lichen Durchbruch hat es wohl nicht gebracht.
Kein Kapitalist pflegt einen selbstlosen Umgang mit seinem Kapital: was soll denn sonst fuer ein Maß-
stab gelten bei Sanierung wie Investierung, alsdass das jeweilige Geschaeftsobjekt rentierlicher zu
machen sei?
Wer unbedingt fuer die Marktwirtschaft ist, also dass sich alles um die Vermehrung von Kapital dreht,
statt gruendlicher Kritik an ihr, soll die Schnauze halten, wenn Unternehmer nach Gusto in ein Unter-
nehmen rein- und auch wieder rausgehen, so ihre Gewinnrechnungen es gebieten. Der Vorwurf
der "Heuschrecke" lebt von einem marktwirtschaftlichen Ideal "soliden" Unternehmertums, wonach
ein gestandener Kapitalist einfach an einem bestimmten Unternehmensobjekt hängen und es hegen
und pflegen müsse. - Dass ein Geldguru seine Geldanlagen wie das Hemd wechselt, wenn es die
Zinsertraege angezeigt lassen, ist unserem Unternehmensidealist gelaeufig - die gleiche Berechnungs-
weise auf ganze Firmen anwenden: das soll einem auf einmal nicht geheuer vorkommen und wird der
Makel des Heuschreckenunwesens angeheftet.

 


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