Tages-Politik - Analyse und Kritik

 
 









20.05.21 – Anlässlich des kriegerischen Schlagabtausches Israel-Hamas:


Der staatliche Kampf gegen Antisemitismus hat wieder Hochkonjunktur


Angesichts erneuten Aufeinandertreffens bewaffneter, raketenbestückter Palästinenser in Gestalt der Hamas gegen einen haushoch überlegenen israelischen Staat greift die deutsche Politik Demonstrationen anlässlich dessen ein ums andere Mal als absolut verwerfliche Tiraden von Hass gegen Juden, Herabwürdigung derselben auf.

Auffällig ist schon mal, dass Staatsvertreter das, was sie Antisemitismus taufen, gar nicht erst zu kritisieren vorhaben, sondern strafbewehrtes Verbot dagegen erlassen. Dies kommt erstens daher, dass Prüfung und Widerlegung fehlerhaften Denkens ohnehin nicht Sache staatskonformer Denke ist, dass zweitens die Sache mit dem Antisemitismus ein zentraler Bestandteil der national-moralischen Räson Deutschlands ist (weshalb Beschimpfung und erst recht Übergriffe gegen Juden als anti-demokratische Akte der strafrechtlichen Behandlung zugeführt werden): mit Blick auf die NS-Vergangenheit, dem Millionen-fachen Judenmord, weil Juden als leibhaftige Schädlinge deutscher Nation eingestuft wurden, hat die unbedingte Verbeugung vor dem Judentum den weltmoralischen Weg zur Wiederauferstehung Nachkriegsdeutschlands als respektable Macht gewiesen. Dazu hat sie ein dickes Gleichheitszeichen zwischen der schlechten Behandlung der Juden im 3. Reich und anderswo und deren unbedingtes Recht auf eine eigene jüdische staatliche Heimstatt vollzogen, damit ebenso unter dem verharmlosenden Titel "Selbstverteidigungsrecht" dem Judenstaat zugestanden, zu Feinden desselben Erklärten mit unerbittlicher militärischer Gewalt zu begegnen: also die Perfidie, dass der Massenmord unter Hitler die kriegerische Durchsetzung des israelischen Staates als Dienst am Judentum rechtfertige.

Die offizielle Differenzierung hierzulande, dass die Politik Israels sehr wohl kritisiert werden dürfe, aber Judenverachtung sich verbieten würde, ist deshalb geheuchelt. Denn gerade der hiesige Außenminister Maas behauptet ein durch nichts zu schmälerndes, uneingeschränktes "Verteidigungsrecht" des israelischen Staates, wenn die in Gaza und Westjordanland eingepferchten, im absolut rechtlosen Status dahinsiechenden Opfer erst der israelischen Staatsgründung und nach wie vor im Gange befindlichen Staatsausweitung ihre Niederhaltung nicht hinnehmen (dass und wie Palästinenserorganisationen aus der Not der Vertreibung, Unterdrückung und Elendsverordnung die falsche und blutige Sehnsucht nach einem eigenen Staat herauslesen und als Antwort auf die israelische Militanz militärisches Kräftemessen mit dem Unterdrücker zum Programm haben, nämlich als Zeichen gerechter Gegenwehr gegen denselben, sei kritisch angemerkt, aber hier nicht weiter ausgeführt).

So abwegig es ist, die regional-imperialistischen Gemeinheiten des Judenstaates einem jüdischen Charakter zuzuschreiben, die Wahrheit ist allerdings auch: die israelische Hoheit will selbst gar keine Trennung zwischen sich und dem Judentum kennen; ihrer Nationalräson einbegriffen ist, angeblich im Auftrag aller Juden der Welt unterwegs zu sein, wenn die Stiftung einer Heimstatt für dieselben auf permanentes kriegerisches Ausgreifen gegen die arabische Bevölkerung und die arabischen Staaten gründe. Beides: die rassistische Beschimpfung des Juden und der israelische Zynismus, dass Juden nichts besseres verdienten als einen stets kriegsbereiten staatlichen Herrn gegen eine für feindlich erklärte Umgebung, sind unserer begründeten Verachtung sicher!

PS:
Herr Außenvertreter der BRD, Maas, bestätigt auch aktuell, wie die dauerhafte kriegerische Behauptung des Judenstaates im Prinzip der BRD als heiliges "Existenzrecht" Israels gelte: unverdächtig humanitär daherkommend als "Schutz der Bevölkerung" vor den Hamas-Raketen, von denen überhaupt die "Eskalation" ausgegangen wäre. Was hier als Kriegsschuldfrage gewälzt wird: wer habe mit dem Schießen angefangen und wer reagiere bloß darauf, lenkt davon ab, dass und wie der israelische Staat sein jeher auf der gewaltsamen Eroberung, Sicherung und Ausweitung seines Herrschaftsgebiets gegen die angestammte arabische/palästinensische Bevölkerung und dort ansässige Mächte beruht. Die bewaffneten Palästinenser-Vereine sind das Abziehbild davon: nämlich das militärisch geltend gemachte Rechten um einen nach deren Verständnis legitimen eigenen Staat gegen den israelischen Kontrahenten, der dergleichen als unvereinbar mit seiner Ausbreitung in Nahost bekämpft.
Im Übrigen kann man an einer Äußerung des Linken Gysi im Bundestag am 19. Mai gewahr werden die erbärmliche, allenfalls erlaubte Israel-Kritik, nämlich jenseits des unzweifelhaft für die politischen Herrschaften hierzulande feststehenden "Selbstverteidigungsrechts" Israels: "Selbstverteidigung" werde dem Judenstaat selbstverständlich zugestanden, aber mit der Krittelei daran, dass "unschuldige Zivilbevölkerung" bei den israelischen Militärschlägen getroffen werde, dürfe man vielleicht die Frage der Angemessenheit beim Bombardieren durch die Israelis aufwerfen - zielgenaue Raketen und Bomben gegen die als palästinensische "Terroristen" Ausgemachten ist wohl durch das Verteidigungsrecht Israels gedeckt!