Tages-Politik - Analyse und Kritik

 
 



 

01.08.2022 – Zum Beitrag der Pop-Kultur für die westliche Militanz gegen den
russischen Bösewicht:

 

Zur absurden Warnung des Ex-Police-Frontmanns Sting
vor weltweiten Gefährdung von Demokratie


ARD-Text v. 01.08.22

Sting hat während eines Konzerts in Polen vor Angriffen auf die Demokratie weltweit gewarnt. Die Demokratie drohe verloren zu gehen, wenn sie nicht verteidigt werde. Die Alternative zur Demokratie sei ein Gefängnis, ein Gefängnis des Geistes. Sie sei Gewalt, Unterdrückung, Gefangenschaft und Schweigen. Der russische Angriff auf die Ukraine sei als Absurdität zu verurteilen.

Aus solchen Statements spricht die unbedingte Parteinahme für das herrschaftliche bürgerliche Treiben jenseits dessen, irgendwelche Anhaltspunkte, entnommen diesem selbst, ins Feld zu führen: über jeden Zweifel erhaben soll der angeblich drohende Verlust von Demokratie gleich weltweit diese in dieser vorgestellten Absolutheit als verteidigungswürdig hinstellen.

Seine Überzeugungskraft gewinnt dies daraus, das man ein Gegenbild zur schönsten aller Herrschaften entwirft, das von purem Niederhalten des Volkes kündet: Demokratie weist offenbar ihre Vorzüge darüber aus, dass ansonsten schlicht Gewalt und Unterdrückung herrschen würde – eine realitätsferne Zuschreibung, weil selbst die sog. Autokraten darauf verwiesen sind, das Volk zum Mitmachen so zu animieren, dass sich dies für Reichtum und Macht und Herrlichkeit für die Nation auszahlt. Über solches märchenhaftes Gefasel wird auch noch gleich die Lüge in die Welt gesetzt, Demokratie würde durch die Abwesenheit von Gewalt glänzen: nach innen hin zeichnet sich die bürgerliche Staatsgewalt durch nichts als rechtgewaltige Regelungen zur für kapitalistische Bereicherung und materielle Unterfütterung ihres Gewaltapparates und damit dessen Handlungsfreiheit nach innen und außen nützlichen Verplanung des Volkes aus.

Auch ein Blick in die aktuelle weltpolitische Lage macht das Übertreibende am Bild der globalen Gefährdung von Demokratie deutlich: dass eine östliche Großmacht sich nicht bedingungslos den west-imperialistischen Verfügungen zur restlosen Unterordnung unter amerikanischen Monopolanspruch zur Regelung der globalen Gewaltverhältnisse beugt, der Westen seine längst errungene weltweite Übermacht als Antwort darauf konsolidiert und ausbaut (militärische Aufrüstung ohnegleichen, Rekrutierung neuer Nato-Mitglieder, perfektionierende militärische Umzingelung des Putin-Staates) – nichts als irreführend, dies käme einem drohenden Untergang bürgerlicher Herrschaftsusancen gleich.