Tages-Politik - Analyse und Kritik

 
 



 

16.06.2021 – Gipfeltreffen von US-Biden und Russlands Putin:


Zu den Absurditäten eines diplomatisch als "guten" Gipfel
Verpacktes angesichts sich feindselig gegenübertretenden
USA-Russland

 

ARD-Text v.16.6.21:
Putin: Das Treffen sei "konstruktiv" verlaufen. Es habe keine Feindseligkeit gegeben.
Biden: Das Treffen sei "gut" und "positiv" gewesen. Er habe aber auch zu verstehen gegeben, dass die USA "Menschenrechtsverletzungen" in Russland weiter anprangern werden.
Es habe Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber nicht in übertriebener Weise vorgetragen worden. Drohungen habe es keine gegeben.

Der Ausgangspunkt: Beiden Staatschefs stellen fest, ihre Beziehungen seien auf einem "Tiefpunkt": was da inwiefern auf "Tiefpunkt" ist, wer der Auslöser, wer der Adressat neuer/alter "Spannungen" ist, das erfährt man mit solchem diplomatischen Allgemeinplätzen eher nicht. Fragt sich nur, was ein Zusammentreffen soll, wo vorher feststünde, dass man ziemlich grundsätzlich auseinanderliegt? Zu diesem absurden diplomatischen Geplänkel vernimmt man dann, einerseits von "konstruktivem" Palaver zu reden - und sich zugleich herbeizulassen zu: keine Feindseligkeit wurde raushängen gelassen. Wer muss solches betonen, wenn nämlich das Gegenteil vorliegt?

Der Biden gibt nämlich unverblümt zu erkennen, nachdem der erst "gutes" Treffen vorgeheuchelt hat, wie unter Einmischungstiteln wie "Menschenrechte" dem Kontrahenten zu verstehen gegeben wird, wie wenig Respekt der russischen Herrschaft entgegengebracht wird - und zudem der Gipfel der Respektlosigkeit: ein anderes Staatsoberhaupt vor dem Treffen als "Mörder" zu bezeichnen, begibt sich auf eine Ebene, die man von kriegsträchtigen Verhältnissen von Staaten zueinander kennt (aber nach Biden lt. dem ARD-Text: "kalter Krieg" soll nicht sein).

Also hat wohl das ganze inszenierte Höflichkeitsgetue unter den Herrschern den Sinn, dass bei aller feststehenden Feindschaft, die allerdings der Ami so ziemlich einseitig gegen den Russen ausgerufen hat, sich wechselseitig zu versichern und rauszukriegen, wie weit bzgl. des Austragens der Gegnerschaft der eine momentan zu gehen bereit ist bzw. der Adressat der Feindschaft sich gefallen zu lassen gedenkt: wo also die berühmten "roten Linien" verlaufen.