Tages-Politik - Analyse und Kritik

 
 












20. Mai 2021 – Zu Corona-bedingten Reglementierungen des Bildungsbetriebs und kindlicher
Gesundheit:


Ärzteverbände und andere warnen vor zunehmenden Gefahren für die Kinderseele und körperliche Ertüchtigung von Heranwachsenden in einer Pandemie
- eine verkehrte und parteiliche Stellung, wie für die Nachwuchsbetreuung Zuständige für die Tauglichkeit der Jungen für die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft sich ins Zeug legen.


Nachtrag:
Von den Idiotien sog. Lerntrainer
in Sachen Homeschooling in der Pandemie


Dass einmal jenseits des tatsächlichen Verhältnisses zwischen der familiären Organisierung des Privatlebens und derjenigen der bildungsmäßigen Vermittlung von Fähigkeiten des Rechnens, Schreibens und von Naturerkenntnissen aufgrund einer Seuche man nicht umhin kommt, dass der gewöhnliche Lebensrhythmus Unterbrechungen erfährt, von Kinderbetreuern als Unterbrechung der Entwicklung der Kleinen moniert wird, dies zeugt in dieser Allgemein schon von wenig Rationalität: wenn die Vorkehrungen gegen eine Seuche es erfordern, nämlich letztlich um diese in den Griff zu kriegen, dass da einige Betriebsamkeit nicht wie geläufig zu haben ist, dann schließe dieses ein, dass man Pausierungen bei der kindlichen Entwicklung zunächst, zeitlich begrenzt in Kauf nehmen müsste, die es dann eben nach einer Pandemie irgendwie nachzuholen gelte: wie sollen Kinder da Schaden nehmen, dass sie mal über 1 Jahr keine bildungsmäßige Weiterentwicklung erfahren? - Aber die Pandemie grassiert nun mal unter kapitalistischen Verhältnissen, und insofern ist es bezeichnend, dass bürgerliche Besorger des Kindeswohls die Verrücktheit pflegen, dass beides irgendwie zugleich zu händeln wäre: Pandemieeindämmung und Persönlichkeitsentfaltung per bürgerlichen Schulbetrieb.

Hausärzte, Psychologen, Therapeuten und andere um das Kinderwohl Besorgte registrieren vermehrt Verhaltensauffälligkeiten bis Depressionen, wenn Kinder/Jugendliche Corona-geschuldet nicht wie gewohnt dem Schulalltag ausgesetzt wären - weshalb die Praxen zur Behandlung von als seelische Defekte Diagnostiziertes überbeansprucht würden.

Wie soll es einen Übergang von der Abwesenheit des üblichen Trotts in den Bildungsanstalten und Schäden an der seelischen und sonstigen Gesundheit der Heranwachsenden geben können? Es muss sich schon um eine spezielle seelisch-geistige Verfassung handeln, deren Beschädigung da behauptet wird, wenn ausgerechnet die Härten der Leistungskonkurrenz in der Schule das adäquate Mittel für gute seelische Befindlichkeit sein soll.

Wenn auch noch das Ausbleiben sozialer Kontakte, von Spiel und Sport seine Rolle bei dem geistigen Zustand des Nachwuchses spielen würde, so hat man hier das Lügenhafte vor sich, die Schule sei unerlässlich fürs soziale, spielerische, sportbezogene Kontaktwesen (mit Verlaub: als ob Schule mit ihrem hauptsächlichen Anliegen der Auslese, also des Bescheids, ob und wie man in der Bildungs- oder Berufshierachie - meistens nicht - weiterkommt, ein einziges Angebot wäre, Freunde treffen zu können): dies interessiert ohnehin allenfalls in der Unterordnung darunter, das Zweck der Bildungsanstalten ist, die Kleinen zu funktionierenden Konkurrenzsubjekten hochzuzüchten, nämlich denen die nötigen Eigenschaften der rücksichtslosen Durchsetzung gegen andere beizubringen.

Worauf die Warner in Sachen Kindeswohl im Grunde abstellen, ist, dass mit den Corona-Shutdowns eine Tendenz zur Verwahrlosung in den proletarischen Familien einreißt: weil die nämlich nicht dafür gemacht sind, das Rüstzeug zu liefern, um sich in der bürgerlichen Bildungs- und Berufswelt zu bewähren, per dauerndem Leistungsvergleich, den die Herren übers Bildungs- und Ausbildungswesen und die kapitalistischen Eigentümer der Arbeitsstätten mit dem Leuten veranstalten. - Allerdings rennen die offene Türen ein: dem Staat ist es während der ganzen Pandemie ein Dorn im Auge, wenn darüber die Züchtung der Jungen zu tauglichen Konkurrenz- und Staatsbürgern leidet.

Nachtrag:
Von den Idiotien sog. Lerntrainer in Sachen Homeschooling in der Pandemie

"...Da wir in einer leistungsbezogenen Gesellschaft leben, falle es Eltern oft schwer, den Druck (auf Kinder; Anmerkung d. Verfasser) zu reduzieren. Doch Druck erzeugt Stress. Und unter Stress fällt das Denken schwer, die Motivation sinkt. 'Dabei möchten Kinder von Natur aus Neues lernen...  beim Lernen ähnlich viel Spaß haben wie beim Spielen'.." (aus: Gesundheitsmagazin "fit" der DAK, Nr. 2/2021, S. 13)

Die gute Lerntrainerin weiß darum, dass es in der bürgerlichen Gesellschaft nicht einfach um Lernen als Spaßveranstaltung geht: es ist subsumiert einer Leistungskonkurrenz um Noten in staatlichen Bildungsanstalten. Die Aufforderung an die Eltern, den Druck auf die Kleinen rauszunehmen, sieht gerade davon ab, dass Wissenserwerb gerade nicht auf ein schlichtes Interesse an Neuem gründet und alles andere ist, als dass es mit Spaß abgeht. Die nötige Motivation entspringt genauso wenig einem freien Interesse: sie wird erzwungen mit der staatlichen Schulpflicht, als eiserne Disziplin an den Kindern hergestellt, dass Büffeln als Leistungsvergleich sich zu eigen zu machen. Der Slogan, "ohne Erfolgserlebnis keine Motivation"(ebd.) - diese Übersetzung von Lernerfolg für sich dahin, das ganze Sinnen und Trachten auf möglichst gute Noten zu verlegen, dies will an den Kindern durchgesetzt sein, wofür die Profession des Lehrers sich ins Zeug legt - und damit den Kleinen der Druck verpasst wird, Konkurrenz und dessen Bestehen als entscheidend für den Lebensweg zu "lernen", mit dem bekannten Ergebnis, dass die meisten aus den minderbemittelten Milieus ganz unten landen als Lohnarbeiter. Vielleicht wäre v.a. letzteres zu kritisieren, wie über das kapitalistische Bildungs- und Ausbildungswesen die Hierarchie einer Klassengesellschaft organisiert wird - die meisten eigentumslose, abhängige Beschäftigte werden und einige wenige, die in Betriebsstätten und Büros und der staatlichen Verwaltung das Kommando über erstere haben - statt sich lauter spinnerte Strategien auszudenken, wie man bei den Jüngsten den Spaß an der Freud fördern könne, der in den Leistungserzwingungsanstalten, den bürgerlichen Schulen der Garaus gemacht wird.