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01.09.2021 – Zur Grundrente-Teil 2:




Zum gemeinen Gehalt der Voraussetzungen und Grundsätze der
Gewährung der sozialpolitischen Errungenschaft einer Grundrente


Quelle:
https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/lesen/grundrente-die-haeufigsten-fragen-und-antworten.html

Relevante Auszüge können im Anschluss an unsere Ausführungen „Grundrente-Teil 2“ eingesehen werden
.

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Dass bei der  staatlichen Erfindung einer Grundrente schlicht materielle Nöte von aus dem Erwerbsleben Ausgeschiedene garantiert nicht die Leitlinie sind und zudem die Maßgaben, nach denen Berechtigungen auf einen Zuschlag auf die mickrige gesetzliche Rente zugeteilt werden, den Ausgaberahmen der Rentenanstalten in vorfestgelegter Weise so bestimmen, dass ja nichts über Gebühr dabei herauskommt, kann man an den bürokratischen Regeln dessen studieren, wem in welcher Höhe eine Grundrente zusteht.

So läßt sich an dem "komplexen" Konstrukt zu den Voraussetzungen und der Ermittlung zustehenden Zuschlags auf Rentenansprüche der Nachweis führen, dass Grundrente nichts als erbärmliche Anerkennungsprämie auf entbehrungsreiche Zeiten des Dienstes für Unternehmer oder für andere Sorten Plackerei wie Pflege/Kindererziehung ist, die aber nur Armen in einem mittleren Bereich zwischen noch Ärmeren und nicht so Armen wie Grundrentenberechtigten zusteht.

Es ist z.B. Mindestversicherungszeit von 33 bis 35 nötig.  Wer Pech hat, vom Kapital weniger als 33 Jahre benutzt worden zu sein, fälllt schon mal durchs Raster durch, wiewohl er einen Rentenzuschlag genauso oder erst recht nötig hätte.

Ähnliches gilt auch für die Voraussetzung, welcher Durchschnittsverdienst bei der Zuweisung von Grundrente eine Rolle spielt: hier liegt die Bandbreite zwischen mindestens 30 und höchsten 80 Prozent. Die ganz Armen mit unter 30 Prozent, von denen man meinen könnte, dass die gerade dringends einen Aufschlag brauchen könnten, interessieren den Grundrentengewährer nicht die Bohne. Und dass man mit über 80% Durchschnittseinkommen auch nicht gerade mit Reichtum gesegnet ist, zählt nicht, wenn derjenige aus den Kreis der Begünstigten ausgeschlossen wird.

In Bezug auf die Minijobber, die zwar zur Ansammlung von Grundrentenzeiten beitragen können, aber Zeiten "mit besonders niedrigen Einkommen durch das Raster (fallen)" drängt sich der begründete Verdacht auf, dass die sprunghafte Ausweitung von prekärer Beschäftigung im Zuge der staatlichen Förderung kostengünstiger Benutzung der Leute fürs Kapital doch ja nicht mit massenhaften Rentenaufschlag "belohnt" gehöre und damit die Ausgaben der Rententräger ja nicht in eine Höhe schießen, die gerade staatlich nicht gewollt ist. Auch hier ist "besonders niedriges Einkommen" kein Einsehen wert, wie deren Bezieher auf gerade kräftigen Zuschlag angewiesen wären.

Die rentenpolitischen Rechenkunststücke geben genau die Intention wieder, finanziell nichts aus dem Ruder laufen zu lassen:

Ein Entgeltpunkt zwischen 0,3 und 0,8 spiegelt sowas wieder, ab welchen unteren Bereich und allenfalls bis zu welchem oberen Bereich des Durchschnittseinkommens, zu dem man mal in Abhängigkeit von den Kalkulationen der werten Arbeitgeber mit lohnabhängiger Arbeitskraft verdonnert worden ist, im Allgemeinen sich eine Zuschlagsberechtigung rechnerisch herleitet. Dafür soll dann die Differenz zwischen dem erreichten Entgeltpunkt (z.B. 0,4) und dem maximal möglichen (0,8) relevant sein; diese Differenz würde dann verdoppelt, aber dürfe nicht mehr als 0,8 erreichen: wer 0, 6 vorweisen könne, käme nicht etwa wegen der Verdoppelung des Werts auf 1,2, sondern bekäme allenfalls 0,8 zugebilligt. Entscheidend sei aber der Unterschied zwischen den erreichten 0,6 und den höchstens anerkannten Wert von 0,8, was 0,2 ergäbe. Wohl nur für rentenmathematisch Geschulte nachvollziehbar werden davon nun aber 12,5 Prozent abgezogen, sodass man 0,175 Entgeltpunkte hätte; diese werden mit der Anzahl der zuerkannten Grundrentenjahre multipliziert; sodann kommt über die Vervielfältigung dieses Werts mit dem dem einzelnen Entgeltpunkt zugeordneten Betrag von 34,19 EUR (erkennbar fixiert so, dass es dem Grundsatz der Eindämmung von Rentenausgaben gehorcht) in oder seit 2020 der Grundrentenzahlbetrag heraus. In dem Beispiel kommt jemand mit 25 Jahren angesammlter Grundrentenzeit und 4,375 Gesamtentgeltpunkten über diese Zeit auf einen sagenhaften Zuschlag von 145 Eur pro Monat.


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Auzszüge aus
https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/lesen/grundrente-die-haeufigsten-fragen-und-antworten.html:

"...

Die Grundrente ist ein Zuschlag auf die Rentenansprüche von Geringverdienern. Sie soll Geringverdiener im Alter besserstellen und dafür sorgen, dass ihnen mehr zusteht als nur die Grundsicherung.
...
Die Voraussetzungen zur Grundrente im Überblick
    mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten für ein teilweisen Zuschlag
    für den vollen Zuschlag mindestens 35 Jahre Grundrentenzeiten
    Durchschnittsverdienst nicht höher als 80 Prozent des bundesweiten Durchschnittsverdienstes, mindestens jedoch
30 Prozent.
Wo Sie mit Ihrem Durchschnittseinkommen stehen, lässt sich an den Entgeltpunkten ablesen, die Ihnen jedes Jahr gutgeschrieben werden. Wer beispielsweise ein Gehalt bekommt, das exakt dem durchschnittlichen Verdienst aller Beschäftigten entspricht, erhält pro Arbeitsjahr 1,0 EP. Entsprechend stehen 0,8 für 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes.
Können auch Minijobber Grundrente bekommen?
Grundsätzlich ja, denn Minijob-Zeiten zählen als Grundrentenzeiten. Minijobs können also dazu beitragen, die
geforderten 33 Jahre zu erreichen. Aber: Bei der Berechnung der Rentenhöhe fallen alle Zeiten mit besonders
niedrigem Einkommen durch das Raster. Das heißt: Wer zumindest zeitweise mehr verdient hat, kann Grundrente bekommen.
Eine Grundrente allein mit Minijobs ist nicht möglich. Das kann auch so genannte Midijobber, Beschäftigte mit nur
etwas höherem Einkommen im sogenannten Übergangsbereich, betreffen.
Welche Zeiten zählen als Grundrentenzeiten?
Als Grundrentenzeiten zählen die Zeiten aus sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit, aber auch
    Pflichtbeitragszeiten der Kindererziehung und Pflege von Angehörigen
    Zeiten und Leistungen bei Krankheit oder Reha
    Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung und Pflege
    Ersatzzeiten wie zum Beispiel Zeiten des Kriegsdienstes, der Kriegsgefangenschaft oder der politischen Haft in
der DDR
Welche Zeiten zählen nicht als Grundrentenzeiten?
    Zeiten, in denen Sie Arbeitslosengeld I oder ALG 2 erhalten haben
    Zeiten der Schulausbildung
    Zurechnungszeit (fiktiv verlängerter Lebenslauf zur Erhöhung einer Erwerbsminderungsrente)
    Zeiten, in denen Sie freiwillige Rentenbeiträge gezahlt haben.
...
Grundrente berechnen: So geht’s:
    Zunächst wird Ihr durchschnittlicher EP-Wert errechnet. Jahre, in denen Sie weniger als 0,3 EP erhalten haben,
    gehen nicht in die Berechnung ein.

    Im zweiten Schritt wird dieser EP-Wert verdoppelt, allerdings maximal auf 0,8. Die Differenz ergibt den Zuschlag.
    Im nächsten Schritt wird der Zuschlag um 12,5 Prozent gekürzt.
    Das Ergebnis wird mit der Zahl der Beitragsjahre multipliziert, jedoch mit maximal 35 Jahren.
Das rechnerische Maximum sind 12,25 Entgeltpunkte (0,4 x 35 - 12,5%)
Die Entgeltpunkte werden in eine Rentenzahlung umgerechnet. Jeder Entgeltpunkt steht seit dem 1. Juli 2020 für monatlich 34,19 Euro (West) beziehungsweise 33,23 Euro (Ost). So ergibt sich aktuell ein maximaler Grundrentenzuschlag von knapp 420 Euro.

Beispiel: Wie sieht eine Berechnung der Grundrente aus?
Frau Schmidt aus Leipzig hat 40 Jahre gearbeitet und damit genügend Grundrentenzeit gesammelt, um Anspruch
auf Grundrente zu haben. Allerdings lag ihr Lohn 15 Jahre davon unter der Grenze von 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes. In den übrigen 25 Jahren hat sie mehr verdient, im Schnitt 60 Prozent. In die
Berechnung fließen also nur diese 25 Jahre mit einem EP von 0,6 ein.
Frau Schmidts EP wird zunächst verdoppelt. Theoretisch käme sie so auf 1,2 EP. Allerdings greift hier die
Beschränkung auf einen Maximalwert von 0,8. Zu ihren 0,6 EP erhält sie also zunächst einen Zuschlag von 0,2 EP.
Von diesem Zuschlag werden pauschal 12,5 Prozent abgezogen. Im Ergebnis bleiben 0,175 EP pro Jahr. Auf 25
Jahre gerechnet ergeben sich 4,375 zusätzliche Entgeltpunkte.
Da Frau Schmidt im Osten gearbeitet hat, bringt ihr jeder Entgeltpunkt 33,23 Euro monatlich (Stand Juli 2020-Juni 2021). Insgesamt beträgt der Zuschlag für ihre Grundrente also rund 145 Euro pro Monat.

Welche Einkommensgrenzen gelten bei der Grundrente?
Die volle Grundrente erhält nur, wer nicht mehr als 1.250 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 1.950 Euro (Paare) verdient. Wer etwas mehr verdient, bekommt den darüber liegenden Teil des Einkommens zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Oberhalb von 1.600 beziehungsweise 2.300 Euro ist es damit aber vorbei. Einkommen,
das diese Grenze überschreitet, wird voll angerechnet. Die Freibeträge sollen regelmäßig angepasst werden.
...
Welche Einkommen werden bei der Einkommensprüfung berücksichtigt?
Für die Einkommensprüfung zählen unter anderem die eigene Nettorente, eine Witwer- oder Witwenrente und Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrags. Nicht dazu zählen der Grundrentenzuschlag selbst sowie Vermögen
wie zum Beispiel Immobilien.
Gibt es einen Freibetrag bei Wohngeld und Grundsicherung?
Bei Rentnern, die Zuschüsse in Form von Wohngeld oder Grundsicherung erhalten, soll die Grundrente nicht voll
als Einkommen angerechnet werden. Der Freibetrag liegt je nach Höhe der Rente mindestens bei 100 Euro,
höchstens jedoch bei 50 Prozent des Regelsatzes zur Grundsicherung. 2021 wären das also maximal 223 Euro."